Erfahrungsbericht vom Scharfschützenlehrgang “Zielfernrohrschütze G3” für Reservisten:

Allgemeines:

Art: Wehrübung

Datum: 31.08.-11.09.1998 (12 Wehrübungstage) 

Ort/Einheit: Hammelburg; Infanterieschule, Hörsaal 7/II. Inspektion (Schießinspektion)

Infanterieschule Hammelburg

Bedingungen für Teilnahme: Schützenschnur oder G-S-3a und G-S-3b innerhalb der letzten 12 Monate erfüllt

Bedingungen für Erfolg: ZfG-S-1 bis ZfG-S-4 und ZfG-S-8 erfüllt

Abschluß bei Erfolg: ATN/ATB 300 1086 “Scharfschütze”

max. Personenzahl für Lehrgang/gemeldete Personen: 20

Angereist: 13 Personen

Lehrgang bestanden: 13 Personen

 

Ablauf:

Anreisetag (So, 30.08.): Begrüßung durch den Inspektionsfeldwebel und Erledigung des “Papierkrams” (Überprüfung der Teilnehmerliste; Aushändigung der Erkennungs- marke/Truppenausweis nach Übersendung vom Kreiswehrersatzamt); Eiweisung in die Stuben; Trennung nach Raucher und Nichtraucher; Drei-Mann Stuben mit Reinigungsservice durch Putzfrau (3x in der Woche); Bettwäsche und Handtücher lagen bereit;

1. Tag (Mo): Begrüßung durch den Kommandeur der Lehrgruppe und der Ausbilder;  Einweisung in den Standort und die Aufgaben der Schießinspektion Hammelburg; Einweisung in die Tätigkeit des Scharfschützen; Vollzähligkeit der Ausrüstung der Teilnehmer; Ergänzung der Ausrüstung in der Standortbekleidungskammer, Umkleidung mit Flecktarn und Tragesatz; Kurzeinweisung in das G3Zf (siehe unten); Justierung des mechanischen Visiers; Schieß- und Justierübung mit dem G3KK (5,56 mm lfb) auf  24 m im KK-Schießgebäude Einweisung in die Verwendung und den Aufbau des Zielfernrohres (FERO Z 24 4x30, Absehen 1) für G3; Aufsetzen des Zf auf das G3; Grobjustierung des Zf;

2. Tag (Di): Empfang der Waffen G3Zf (Jeder bekam seine persöhnliche Waffe für die Dauer des Lehrgangs); Schießen der Übung G-S-1 (100 m) zur Feinjustierung des mechanischen Visiers auf der Standortschießanlage; Schießen der Übung ZfG-S-1 (200 m) zur Feinjustierung des optischen Visiers (Zf); Schießen der Übungen bis alle Waffen “Fleck” schossen;

3. Tag (Mi): Schießen der Zf-G-S-1 (200 m) zur Wertung; Schießen der Zf-G-S-2 auf 200, 250 und 300 m; Einweisung in das Bildverstärkergerät (BiV); Justierung des G3 mit BiV; Schießen mit BiV auf 200 m; Kurzeinweisung in das BiV-Df; Vorstellung des Scharfschützengewehrs G22 (Brit. Accuracy, Bw-Ausführung, siehe unten); Nachtschießen der Zf-G-S-7 auf  250 m mit Scheibenbeleuchtung und Dimmer zur Simulation der SigPi; Dienst auf der Schießbahn von 8:00 bis ca. 23:00 Uhr;

4. Tag (Do): Schießen der Zf-G-S-4 auf Klappscheiben, Entfernung 200 und 250 m; Vorstellung und Einweisung in das G36; Schießen mit dem G36 (Sonderübung 13 Schuß, 200 m); Vorstellung und Einweisung in die P8; Vorstellung und Einweisung im AGSHP-Zentrum, Hammelburg Saaleck-Kaserne (AGSHP = Ausbildungsgerät Schießsimulator Hand- waffen/Panzerabwehrhandwaffen, s. u.); “Gefechtsschießen” mit G3 und Panzerfaust 3 im AGSHP; Sportausbildung: AMILA-Lauf, 3000 m Gelände;

5. Tag (Fr): Annäherungsübung (s. u.); Täuschen und Tarnen im Gelände; Bewegungsarten im Gelände; Dienstschluß ca. 12:00 Uhr; Heimfahrt war möglich; 6. Tag (Mo): Schießen der ZfG-S-4 auf der Gefechtsbahn; Schießen der ZfG-S-6 auf der Gefechtsbahn; Schießen der ZfG-S-6 mit Leuchtspurmunition auf der Gefechtsbahn zum Vergleich der Munitionsarten (Leuchtspurmunition war sehr ungenau);

7. Tag (Di): Einweisung in die SigPi und in die Schwere Panzerfaust/Leuchtbüchse (“Dicke Berta”/Carl-Gustav” etc...); Schießen der ZfG-S-5 auf ein querbewegliches Ziel mit 6 km/h und 10 km/h (Ziel bei ca. 300 m) auf der Gefechtsbahn; Schießen der Gefechtsübung ZfG-G-1 bei Tag auf der Gefechtsbahn; Schießen der ZfG-G-1 (abgewandelt) bei Tag von einem Turm auf der Gefechtsbahn; Schießen der ZfG-G-1 bei Nacht auf der Gefechtsbahn, Gefechtsfeldbeleuchtung durch Schwere Panzerfaust, Bodenleuchtkörper und SigPi;  

8. Tag (Mi): Schießen der ZfG-S-8 (abgewandelt) auf der Gefechtsbahn (Ziele auf 300-500 m); Schießen der Übung in “Sniper-Teams” mit Zielerkennung und Zielansprache als “Wettkampf”; AMILA-Lauf, 3000 m Gelände; Hörsaalabend mit den Ausbildern in der UHG der Infanterieschule;

9. Tag (Do): Abgabe der empfangenen Ausrüstung und Bekleidung in der Standortbekleidungskammer; Reinigung der Waffen und Waffenapell; Abgabe der Waffen;

10. Tag (Fr): Abgabe der Bettwäsche in der Wäschekammer; Abgabe der Zimmerschlüssel und Stubendurchgang durch den Inspektionsfeldwebel; Übergabe der ATN-Dokumente, Wehrdienstzeitbescheinigungen und Verabschiedung durch die Ausbilder; Dienstschluß ca. 8:30 Uhr.

 

Zum G3Zf:

Hersteller: Heckler & Koch, Deutschland

Kaliber: 7,62 mm x 51 (.308 Win.)

Magazin-Kapazität: 20 Schuß

Zielfernrohr: FERO Z 24, 4x30, Absehen 1

Kampfentfernung: bis 600 m

Gesamtgewicht der Waffe: ca. 4,8 kg

Allgemeines: Das G3Zf ist ein Standart-G3, welches beim Probeschießen des Herstellers ein besonders gutes Trefferbild erzielt hat und mit einem Zielfernrohr ausgestattet wurde, nicht mehr und nicht weniger. Die Kampfentfernung von 600 m ist wenig realitätsnahe, obwohl wir auf Entfernungen von 500 m noch einige, wenn auch wenige, Treffer erzielt haben. Auf Entfernungen von 200 - 400 m zeigt die Waffe, gute Justierung vorausgesetzt, jedoch hervorragende Trefferergebnisse.   

Zum Scharfschützengewehr G22:

Genaue Daten gibt es hier...

Besonderheiten: Schalldämpfer, gepolsterte Wangenstütze (abklappbar), Flimmerband, Zweibein, Standfuß, in der Länge verstellbare und abklappbare Schulterstütze, veränderliches Abzugsgewicht von 1,8 - 2,5 kg 

Allgemeines: Das G22 bzw. Accuracy zählt zu den besten Scharfschützengewehren der Welt. Die Waffe besitzt eine unglaubliche Präzision und ist gegen Schmutz und Stöße unempfindlich. Zur Zeit beginnt die Einführung der Waffe in die Truppe; in unserer zweiten Lehrgangswoche wurden, ebenfalls in der II. Inspektion, die ersten “echten” Scharfschützen für den SFOR- Einsatz in Bosnien mit dem G23 ausgebildet.

Zum AGSHP:

Das AGSHP ist ein Simulator für jede (!) Handwaffe der Bw außer P8 und G36. Er besteht aus einem großen Spiegel und bis zu vier Bahnen für Schützen, die liegend oder sitzend schießen können. Desweiteren gehört ein Computersystem (PC) sowie ein Kompressor zum AGSHP.. Auf dem Spiegel kann für jede Bahn einzeln oder als Gesamtbild für alle Bahnen jede Schulschießübung oder Gefechtsübung projeziert werden (Das “Holodeck” des Raumschiffs Enterprise läßt grüßen :-). Es kann z. B. eine Waldlichtung mit plötzlich auftauchenden Soldaten, Mündungsfeuer oder Panzern dargestellt werden. Durch den Kompressor kann der Rückstoß der Waffen simuliert werden. Sensoren an den Waffen messen, während der Übung oder am Ende graphisch dargestellt, Verkantung, Haltepunkt, Treffpunkt, Abzugsdruck und Einzugdruck der Waffe in die Schulter, ebenso kann der Treffer am Ziel vergrößert dargestellt werden. Es kann jeder Ziel- und Haltungsfehler erkannt und behoben werden. Ausreden, daß die Waffe Schuld sei, sind überflüssig, da alle Waffen des Simulators “Fleck” schießen. In Versuchen wurde festgestellt, daß Soldaten, die vor dem ersten scharfen Schuß am AGSHP ausgebildet wurden, ca. 15 % bessere Schießergebnisse erbrachten. In naher Zukunft soll an jedem größeren Standort der Bundeswehr ein solches System entstehen. Der Preis pro AGSHP-System beträgt ca. 380000,- DM.

Zur Annäherungsübung:

Ziel der Übung war es, ein Ziel (Kompaniechef und eine weitere Person) als Scharfschütze “auszuschalten”. Das Ziel führte eine dauernde Beobachtung der Annäherungsrichtung mit DF durch. Die Scharfschützen hatten 120 min. Zeit, sich zu tarnen und sich dem Ziel bis auf min. 300 m zu nähern. Die beste Leistung erzielte hier ein junger Hauptgefreiter, der sich bis auf weniger als 100 m (!) an das Ziel heran bewegte, es bekämpfte und unerkannt blieb. Wurde ein Schütze erkannt, wurde die Übung unterbrochen; OFw K., der die Schützen begleitete, wurde mit dem Funkgerät bis an die Stelle dirigiert, an der etwas erkannt worden war. Befand sich an dieser Stelle kein Schütze, wurde die Übung fortgesetzt; wurde jedoch ein Schütze identifiziert, mußte dieser seine Position um 20 m verändern; wurde dieser Schütze ein zweites Mal erkannt, wurde er von der Übung ausgeschlossen. Ziel war es, sich auf dem bestmöglichen Weg dem Ziel zu nähern (in diesem Fall ein 500 m Marsch durch den schlammigen “Hundsbach”). Dann war in Stellung zu gehen und einen Schuß, simuliert durch den Ruf “Achtung, Scharfschütze schießt!”, abzugeben. Danach mußte das Ziel versuchen, den “Sniper” zu identifizieren, im Gegenzug mußte der “Sniper” ein Schild mit einem Buchstaben, das vom Ziel hochgehalten wurde erkennen; wurde der Buchstabe nicht erkannt, hatte man vorbeigeschossen, wurde die eigene Stellung aufgeklärt, war man “tot”.

Zum “Scharfschützenabzeichen”:

Das sogenannte “BW-Scharfschützenabzeichen”, Adlerkopf über Eichenlaub, ist kein offizielles Abzeichen. Es darf deshalb nicht getragen werden. Allerdings ist das Tragen bei einigen VBKs gestattet. Es empfiehlt sich, bei seinem VBK nachzufragen oder das Abzeichen mit Klettband zu befestigen. Demnächst soll angeblich ein offizielles Abzeichen für Scharfschützen geschaffen werden.

Zum Lehrgang allgemein:

Der Lehrgang “Zielfernrohrschütze G3 für Soldaten der Reserve” war von Anfang bis Ende hevorragend durchorganisiert. Es kam praktisch nie zu längeren Wartezeiten oder “Versorgungsengpässen”. Die Ausbilder waren sehr kompetent, routiniert und mit den Aspekten moderner Menschenführung bestens vertraut. Sie akzeptierten Kritik, verstanden Spaß und kümmerten sich fast hingebungsvoll um die Lehrgangsteilnehmer. Die Waffen waren alle generalüberholt, sauber und schossen sehr präzise. Der Zeitplan war ebenfalls perfekt erstellt, es gab niemals Streß durch zu eng kalkulierte Zeitpläne. Der Transport von Personal und Material funktionierte sehr gut und die Kameradschaft unter den Lehrgangsteilnehmer war, selbst für Reservisten, beispielhaft. Dieser Kameradschaft und freiwilligen Zusammenarbeit ist ein großer Teil des reibungslosen Ablaufes des Lehrgangs zu verdanken. Schließlich sei noch die gute Qualität der Verpflegung zu erwähnen, die, wie jedem bekannt, keineswegs selbstverständlich ist. Die Gesamtheit dieser Punkte machten den Lehrgang “Zielfernrohrschütze G3 Res” zu einemunvergessenen Ereignis, welches auch von allen Lehrgangsteilnehmern mehrfach bestätigt wurde. Der Lehrgang, sollte er in dieser Form weiterhin durchgeführt werden, ist jedem mit Nachdruck zu empfehlen. Eventuell sei, als einziger negativer Punkt, zu erwähnen, das nicht alle gemeldeten Teilnehmer zum Lehrgang erschienen waren. Die verbliebenen Stellen (7 an der Zahl) hätten für andere Bewerber genutzt werden können.