Gefallen vor Verdun - Jäger Alois Sigl, einer von vielen...
 

“Dem Krieg ein Ende setzen!
Kann man wohl den Kriegen ein Ende setzen?
Die Wunde der Welt ist nicht heilbar!”

Henry Barbusse, ”Das Feuer”, 1918

Im 1. Weltkrieg sind bei der Schlacht von Verdun zwischen 260000 und 400000 französische und deutsche Soldaten gefallen. Stellvertretend für hunderttausende sei hier die Geschichte des bayerischen Jägers Alois Sigl aus Schwarzenbach/Bayern erzählt.
Schwarzenbach ist ein kleines Dorf in der Nähe von Tirschenreuth im Osten Bayerns. Alois Sigl wurde als Sohn eines Hauptlehrers geboren. Das genaue Geburtsdatum ist leider unbekannt, könnte aber zwischen 1894 und 1896 gelegen haben. Sigl besuchte die Königliche Lehrerbildungsanstalt in Amberg um wie sein Vater Lehrer zu werden. Kurz nach der Absolvierung der Anstalt wurde er Soldat als Richtschütze bei der Maschinengewehrkompanie des 1. bayerischen Jägerbataillons in Freising. Das 1. bayerische Jägerbataillon war Teil des legendären Deutschen Alpenkorps, dem Vorläufer der heutigen Gebirgsjäger. Das Alpenkorps wurde 1915 gegründet und erhielt vom östereich-ungarischen Bundesgenossen 20000 Edelweißabzeichen geschenkt. Die Tradition des Edelweiß als Mützenabzeichen existiert bis heute bei den Gebirgsjägern der Bundeswehr.

Bereits 1915 bei den Kämpfe in Serbien konnte sich das Alpenkorps auszeichnen und galt bald als eine Art Eliteeinheit. Am 23. Juni 1916 nahm das Alpenkorps zusammen mit einer weiteren Eliteeinheit, dem bayerischen Infanterie-Leibregiment (“Leiber”), an einem Großangriff im Raum Fleury bei Verdun teil. Das Dorf Fleury sowie das Zwischenwerk Thiaumont wurden hierbei erobert. Am 11. und 12. Juli griff das Alpenkorps wieder zusammen mit den “Leibern” und anderen Truppenteilen bei Fleury an, wobei einzelne Trupps bis auf das Dach des Forts Souville und in die sogen. “Filzlausstellung” vorstießen, sich aber dort nicht halten konnten.

Am 2. und 3. August 1916 führten die Franzosen einen Gegenangriff durch, bei dem das Dorf Fleury und das Zwischenwerk Thiaumont den Deutschen entrissen werden konnte. Weniger als 700 m vor dem Fort Douaumont konnte das Alpenkorps diesen Angriff stoppen. Am 4. August konnte zumindest Fleury u. a. durch das bayr. InfReg 6 wieder zurückerobert werden.

Für die Kämpfe in Serbien oder später bei Fleury wurde Alois Sigl mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Dann kam der 8. August 1916. Das bayerische Jägerregiment 1 des Alpenkorps, dem u. a. Sigls 1. Jägerbataillon angehörte, erhielt den Befehl, das Zwischenwerk Thiaumont wieder zu nehmen.

Das Jägerbataillon 1 nahm unterhalb des Punktes 361 Aufstellung (
X siehe Karte unten). Um 05:58 Uhr begann die kurze aber heftige Artillerievorbereitung und um 06:03 erhoben sich die Sturmwellen um dem vorverlegten Artilleriefeuer zu folgen.

Oben: Alte Karte der Gegend um das Zwischenwerk Thiaumont.
Unten: Das gleiche Areal heute. Das Bataillon stürmte quer über den heutigen Friedhof vor dem Gebeinhaus (Ossuaire).

Bereits um 06:10 wurde das Zwischenwerk Thiaumont erreicht und bei eher schwacher französischer Gegenwehr erobert. Kurz darauf setzte jedoch schweres französisches Artillerie- und MG-Feuer u. a. von der Weinbergschlucht aus ein und faßte das Zwischenwerk und das gesamte Umfeld aus der Flanke.
Dies war der Moment in dem Alois Sigl sein Schicksal ereilte. Er wurde von einem Granatsplitter in die Brust tödlich getroffen...


Das Alpenkorps verlor in seinem sechswöchigen Einsatz bei Verdun fast 12500 Mann.
Alois Sigl war einer von ihnen, einer von vielen...

Links: Vorder- und Rückseite des Sterbebildes von Alois Sigl

Rechts: Der Angriff des bayr. Jägerregiments 1 am 08.08.1916 auf das Zwischenwerk
Thiaumont in einer Skizze von Albert Reich

Links: Das Zwischenwerk Thiaumont in einer Luftaufnahme von 1916

Alois Sigl ruht heute im Kameradengrab
auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Hautecourt bei Verdun.


Links: Sein Eintrag in der Datenbank
des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Unten: Sein Todesort Thiaumont und sein Name auf der Grabplatte des Kameraden-
grabes in Hautecourt

Verwendete Literatur für alle Verdun-Berichte:

Barbusse, Henry: Das Feuer (Zürich, 1918)
Beumelburg, Werner: Die Gruppe Bosemüller (Oldenburg, 1930)
Beumelburg, Werner: Douaumont (Oldenburg, 1938)
Dellmensingen, Konrad Krafft von; General der Artillerie: Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914
   - 1918, Band 1 und 2 (Stuttgart, 1930)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Verdun - Das große Gericht (Gütersloh, 1936)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Gespenster am Toten Mann (Gütersloh, 1943)
Fleischer, Wolfgang: Deutsche Minen- und Granatwerfer 1914-1945 (Wölfersheim, 1994)
Hein, Alfred: Eine Kompanie Soldaten in der Hölle von Verdun (Minden i. W., 1930)
Horne, Alistair: Des Ruhmes Lohn (Minden i. W., 1976)
Horne, Alistair: The Price of Glory (London, 1993)
Jäger, Herbert: German Artillery of World War One (Ramsbury, 2001)
Klauer, Markus: Die Höhe 304 1916/1917 (Remscheid, 2003)
Klauer, Markus: Die Höhe Toter Mann 1916/1917 (Remscheid, 2001)
Klink, Stephan / Fischer, Kurt: Spurensuche bei Verdun (Bonn, 2000)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Douaumont (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 1 (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 2 (Oldenburg, 1928)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 3+4 (Oldenb., 1929)
Rohde, Horst / Ostrovsky, Robert: Militärgeschichtlicher Reiseführer-Verdun (Hamburg, 1996)
Thimmermann, Hermann: Verdun - Souville (München, 1936)
Unruh, Fritz von: Opfergang (Frankfurt a. M., 1919)
Webster, Donovan: Aftermath - The Remnants of War (New York, 1996)
Werth, German: Verdun - Schlacht und Mythos (Augsburg, 1990)
Ziegler, Wilhelm: Verdun (Hamburg, 1941)
Zöberlein, Hans: Der Glaube an Deutschland (München, 1937)

Links und Literatur zum Thema VERDUN...