Die Schlacht von Verdun - 88 Jahre danach

Vom 19. - 23. Februar 2004 besuchte ich zusammen mit dem
“Battle of Verdun Website Team” aus den Niederlanden ein weiteres Mal das Schlachtfeld von Verdun.
Genau 88 Jahre nach dem Beginn der Schlacht standen wir wieder auf dem ehemaligen Schlachtfeld, wobei wir dieses Mal Zeugen einer spektakulären Vorführung am Fort Douaumont wurden.

Am Samstag den 21.02.2004, morgens um 06:00 Uhr, fand am Fort Douaumont vor über 300  Gästen eine Gedenkveranstaltung anläßlich des 88. Jahrestages der Schlacht statt. Ein Historiker aus Verdun sprach an verschiedenen Stellen des Forts über den Beginn und den Ablauf der Schlacht. Am Montag den 21. Februar 1916, genau um 8:12, begann mit einer 38 cm Granate die größte Schlacht der Weltgeschichte. Das Geschoß wurde aus einer Entfernung von über 22 km von einem Eisenbahngeschütz “Langer Max” aus dem Wald von Warphemont abgefeuert und schlug in der Nähe des Bischofspalastes von Verdun ein.

Der Redner las auch verschiedene französische und deutsche Feldpostbriefe vor, die von teilweise entsetzlichen Erlebnissen berichteten: “Wenn man einen Unterstand ausheben will, stößt man sofort auf Tote”.

Das Pult des Redners wurde in der Dunkelheit von Scheinwerfern angestrahlt und auch in den Granattrichtern auf dem Fort waren Scheinwerfer, Raucherzeuger und Lautsprecher versteckt.

Untermalt wurde diese gespenstische und bewegende Atmosphäre durch Musik und eine etwa 5 minütige, ohrenbetäubende Aufnahme des Trommelfeuers der Artillerie.
Unter dem heulenden heranfauchen der Granaten und den dröhnen Detonationen wogte leuchtender Qualm über das Glacis des Forts. Man fühlte sich in die Lage des Soldaten von 1916 versetzt, der dies alles über sich ergehen lassen mußte.

Im Anschluß tauchte über ein Dutzend französischer Soldaten in alten horizontblauen Uniformen auf dem Dach des Forts auf. 

Der Redner führte die Gäste an die linke Flanke des Forts, wo er an einem weiteren angestrahlten Pult über die Schlacht und das Explosionsunglück im Fort am 08.05.1916 berichtete, bei dem fast 700 deutsche Soldaten ums Leben kamen.

Die Gäste wurden nun an der Vorderfront des Forts, an dem sich heute der Haupteingang befindet, entlang geführt. In den einzelnen zerschossenen Kasematten standen nun deutsche Soldaten in alter Uniform und mit Pickelhaube und Stahlhelm M1916 sowie Gewehr 98 und Flammenwerfer ausgerüstet. In einer der Kasematten stand ein Tisch mit einem deutschen Soldaten, der in deutsch den Bericht des Stabsarztes Dr. Hallauer über das Explosionsunglück am 08.05.1916 vorlas.

Die letzte Station befand sich an der rechten Flanke des Forts, wo mehrere “tote” Franzosen und Deutsche, ebenfalls in alter Uniform, auf den Trümmern lagen. Darunter Soldaten des französischen Kolonialregiments (Regiment Colonial du Maroc) sowie auf dem höchsten Mauervorsprung ein deutscher Offizier. Sie stellten die Opfer beider Seiten in der Schlacht dar. Die gesamte Szenerie wurde rot beleuchtet und auch hier stand wieder das angestrahlte Pult des Redners, der nun, nach seiner abschließenden Ansprache, die Besucher durch einen sonst geschlossenen Eingang in das Fort Douaumont bat.

Die Gänge des Forts waren nur mit Kerzen beleuchtet. Durch die Gänge und Kasematten dröhnte eine angsteinflößende Musik.
Die Atmosphäre in dem mit flackernden Kerzenschein erleuchteten Fort war kaum mit Worten auszudrücken. 1916 gab es im Fort unter der deutschen Besatzung zwar elektrisches Licht, jedoch waren viele der Kasematten auch nur mit Kerzen beleuchtet, die bei jedem Granateinschlag flackerten oder ausgeblasen wurden.

Der Rundgang führte auch zum deutschen Friedhof im Fort, hinter dessen Mauer in einer Kasematte immer noch 679 deutsche Soldaten ruhen, die beim Explosionsunglück am 08.05.1916 umkamen. Der Bereich um den Friedhof wurde blau angestrahlt und war ebenfalls mit Kerzen gesäumt.

Am Ausgang wurden die Gäste mit Vogelgesang aus den Lautsprechern und einer einmaligen, fairen und sehr bewegenden Geste empfangen. Den Ausgang flankierten französische und deutsche Soldaten, die sich brüderlich die Hände reichten. Eine für alle Teilnehmer sicher unvergeßliche Szene!

Im Anschluß an diese absolut gelungene und würdige Veranstaltung wurden Croissants, Kuchen, heißer Kakao und Glühwein in einem kleinen Zelt auf dem Parkplatz gereicht.

Rechts: Artikel auf der Titelseite und Seite 2 der Tageszeitung “L’Est Républicain” von Sonntag, dem 22.02.2004 (französisch)

Links: Englische Version der Zeitungsartikel

Desweiteren besuchten wir dieses Mal auch die Kathedrale und den Bischofspalast im Stadtzentrum. Die Kathedrale wurde schon um 990 n. Chr. erbaut und hatte ursprünglich vier Türme. Nach einem Brand im Jahre 1755 wurde sie nur mit zwei Türmen wieder aufgebaut und erhielt so ihr heutiges Aussehen.

Der Bischofspalast (Palace de Episcopal) wurde um 1750 fertiggestellt und beherbergt heute das Weltfriedenszentrum (Centre Mondial de la Paix). In der Nähe des Palastes schlug am 21.02.1916 die erste Granate ein.

Wie viele andere alte Gebäude in Verdun sind auch an der Kathedrale und dem Bischofspalast noch immer die Spuren des Artilleriebeschusses erkennbar.

Verwendete Literatur für alle Verdun-Berichte:

Barbusse, Henry: Das Feuer (Zürich, 1918)
Beumelburg, Werner: Die Gruppe Bosemüller (Oldenburg, 1930)
Beumelburg, Werner: Douaumont (Oldenburg, 1938)
Dellmensingen, Konrad Krafft von; General der Artillerie: Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914
   - 1918, Band 1 und 2 (Stuttgart, 1930)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Verdun - Das große Gericht (Gütersloh, 1936)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Gespenster am Toten Mann (Gütersloh, 1943)
Fleischer, Wolfgang: Deutsche Minen- und Granatwerfer 1914-1945 (Wölfersheim, 1994)
Hein, Alfred: Eine Kompanie Soldaten in der Hölle von Verdun (Minden i. W., 1930)
Horne, Alistair: Des Ruhmes Lohn (Minden i. W., 1976)
Horne, Alistair: The Price of Glory (London, 1993)
Jäger, Herbert: German Artillery of World War One (Ramsbury, 2001)
Klauer, Markus: Die Höhe 304 1916/1917 (Remscheid, 2003)
Klauer, Markus: Die Höhe Toter Mann 1916/1917 (Remscheid, 2001)
Klink, Stephan / Fischer, Kurt: Spurensuche bei Verdun (Bonn, 2000)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Douaumont (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 1 (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 2 (Oldenburg, 1928)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 3+4 (Oldenb., 1929)
Rohde, Horst / Ostrovsky, Robert: Militärgeschichtlicher Reiseführer-Verdun (Hamburg, 1996)
Thimmermann, Hermann: Verdun - Souville (München, 1936)
Unruh, Fritz von: Opfergang (Frankfurt a. M., 1919)
Webster, Donovan: Aftermath - The Remnants of War (New York, 1996)
Werth, German: Verdun - Schlacht und Mythos (Augsburg, 1990)
Ziegler, Wilhelm: Verdun (Hamburg, 1941)
Zöberlein, Hans: Der Glaube an Deutschland (München, 1937)

Links und Literatur zum Thema VERDUN...