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“Über den Schlachtfeldern von Verdun
laufen mit Schaufeln bewaffnete Christen,
kehren Rippen und Köpfe zusammen
und verfrachten die Helden in Kisten
 ...
Auf den Schlachtfeldern von Verdun
hinterließ der Krieg ein Vermächtnis.
Täglich sagt ein Chor der Toten:
Habt ein besseres Gedächtnis!”

Erich Kästner, 1931

Der Fuminwald und die Souville-Nase

Am 01. August 1916 startete die 21. Reserve-Division nach zweitägiger Artillerievorbereitung einen Angriff auf die Souville-Nase (Nez de Souville). Die Regimenter nahmen am Fuminrücken und in der Souvilleschlucht (Ravin de Fontaine) Aufstellung und stürmten danach durch den Fumin- und Bergwald sowie die Souvilleschlucht auf die Souville-Nase zu. Bereits nach etwa 30 min. war das Ziel des Angriffs erreicht und über 900 m Boden genommen. Die französischen Stellungen waren am Hang der Souville-Nase in den Stein gehauen und so mit einer natürlichen Deckung versehen. Der Kampf war zwar nur kurz jedoch heftig und die Regimenter mußten die eroberten Stellungen mehr als zwei Tage lang halten und erlitten dabei höhere Verluste als beim Angriff selbst. Für uns in der Wetterau ist dieser Angriff besonders interessant, da die teilnehmenden Regimenter durchweg aus unserer näheren Umgebung stammten. Der Sturm wurde durch die Reserve-Infanterieregimenter 81 (Frankfurt a. M.) und 88 (Hanau und Mainz) geführt, die Flankendeckung übernahm unter anderem das Füsilier-Regiment 80 (Bad Homburg und  Wiesbaden). Die Verluste der Hessen betrugen über 60 Prozent! Vom I. Batallion des Füsilier-Regiments 80 kehrten sogar von ca. 600 Mann nur noch 72 zurück!

Der sogenannte “Souville-Knopf”.
Eine inoffizielle Auszeichnung die
die Soldaten des ResInfReg 88 für die Teilnahme am Angriff erhielten.

Die Souville-Nase 1916

Der Bergwald 1916. Im Hintergrund das Fort Vaux

Bezonvaux und Ornes

Bezonvaux und Ornes sind zwei der zerstörten Dörfer, die nach dem Krieg nicht mehr aufgebaut wurden. Wie alle der zerstörten Dörfer haben beide immer noch einen Bürgermeister (Maire).
Den Maire von Bezonvaux lernten wir bei unserem Besuch kennen. Er zeigte uns die Orte, an denen damals die Schule, ein kleines Chateau und die Kirche standen und berichtete uns, das damals in der Nähe von Bezonvaux André Maginot durch eine deutsche Ulanenpatroullie verwundet wurde. Vor kurzem wurde zu Ehren von Maginot ein Gedenkstein bei Bezonvaux aufgestellt. Damals befanden sich in den Schluchten bei Bezonvaux und Ornes viele der deutschen Artilleriestellungen, darunter auch 21 cm Mörser.

Der deutsche lange Mörser 1910/16 (21 cm) in Feuerstellung. Es war ein modernes Geschütz mit Radgürteln sowie mit gewaltigen Stoßdämpfern als Rückstoßdämpfer und Vorholer
über und unter dem Rohr.
Die Reichweite des Mörsers betrug etwa 9400 m und die  Granaten wogen bis zu 121 kg.
Verschossen wurden hauptsächlich Sprenggranaten mit Bodenzünder.
Das Gewicht des Mörsers in Feuerstellung betrug ca. 15 t.

Links und rechts:
Vorder- und Rückseite der inoffiziellen franz. Verdun-Erinnerungsmedaille, die von der Stadt an alle Kämpfer verliehen wurde. Das Rot des Bandes steht für das Blut flankiert von den Farben der Trikolore.

Links: Das inoffizielle deutsche Verdun-Kreuz des Ehrenbundes sächsischer Weltkriegsteilnehmer aus der Zeit der Weimarer Republik.

Die deutschen Soldatenfriedhöfe in Azannes, Consenvoye und Hautecourt

Zum ersten Mal besuchten wir auch die deutschen Soldatenfriedhöfe Azannes II, Consenvoye und Hautecourt.  In Azannes II liegen 4750 deutsche Soldaten, davon 156 in einem Kameradengrab.

Der Friedhof in Consenvoye ist einer der größten deutschen Friedhöfe im Raum Verdun. Er wurde 1984 bekannt, als Francois Mitterand und Helmut Kohl gemeinsam dort Kränze niederlegten und die deutsch-französische Freundschaft beschworen. Dies war der erste offizielle Besuch eines französischen Staatspräsidenten auf einem deutschen Soldatenfriedhof. In Consenvoye liegen  11148 deutsche Soldaten, davon 2537 in einem Kameradengrab.

Auf dem Friedhof von Hautecourt nordöstlich von Verdun liegen 7885 deutsche Soldaten, davon 5000 in einem Kameradengrab. U. a. liegt hier ein Regimentskommandeur des hessischen ResInfReg 81 aus Frankfurt begraben. Major Georg von Görne ist am 26.02.1916 gefallen.

Alle Friedhöfe werden durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsoge e. V. (
www.volksbund.de) gepflegt und befinden sich in einem tadellosen Zustand sowie in einer landschaftlich schönen Lage.
Insgesamt gibt es im Raum Verdun 29 deutsche Friedhöfe mit ca. 74000 Toten.

Der Autor ist Mitglied im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ( www.volksbund.de) und im Deutschen Erinnerungskomitee Argonnerwald 1914-1918 e. V. ( www.argonnerwald.de) sowie Geschichtsdarsteller der Alten Armee .

Verwendete Literatur für alle Verdun-Berichte:

Barbusse, Henry: Das Feuer (Zürich, 1918)
Beumelburg, Werner: Die Gruppe Bosemüller (Oldenburg, 1930)
Beumelburg, Werner: Douaumont (Oldenburg, 1938)
Dellmensingen, Konrad Krafft von; General der Artillerie: Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914
   - 1918, Band 1 und 2 (Stuttgart, 1930)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Verdun - Das große Gericht (Gütersloh, 1936)
Ettighoffer, Paul Coelestin: Gespenster am Toten Mann (Gütersloh, 1943)
Fleischer, Wolfgang: Deutsche Minen- und Granatwerfer 1914-1945 (Wölfersheim, 1994)
Hein, Alfred: Eine Kompanie Soldaten in der Hölle von Verdun (Minden i. W., 1930)
Horne, Alistair: Des Ruhmes Lohn (Minden i. W., 1976)
Horne, Alistair: The Price of Glory (London, 1993)
Jäger, Herbert: German Artillery of World War One (Ramsbury, 2001)
Klauer, Markus: Die Höhe 304 1916/1917 (Remscheid, 2003)
Klauer, Markus: Die Höhe Toter Mann 1916/1917 (Remscheid, 2001)
Klink, Stephan / Fischer, Kurt: Spurensuche bei Verdun (Bonn, 2000)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Douaumont (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 1 (Oldenburg, 1927)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 2 (Oldenburg, 1928)
Reichsarchiv - Schlachten des Weltkrieges: Die Tragödie von Verdun, Teil 3+4 (Oldenb., 1929)
Rohde, Horst / Ostrovsky, Robert: Militärgeschichtlicher Reiseführer-Verdun (Hamburg, 1996)
Thimmermann, Hermann: Verdun - Souville (München, 1936)
Unruh, Fritz von: Opfergang (Frankfurt a. M., 1919)
Webster, Donovan: Aftermath - The Remnants of War (New York, 1996)
Werth, German: Verdun - Schlacht und Mythos (Augsburg, 1990)
Ziegler, Wilhelm: Verdun (Hamburg, 1941)
Zöberlein, Hans: Der Glaube an Deutschland (München, 1937)

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Links und Literatur zum Thema VERDUN...