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Das Sterben von Verdun begann...

Auf dem westlichen Maasufer begannen die Deutschen mit ihrem Vormarsch gegen die Höhe 304 und die Höhe „Toter Mann“ (le Mort Homme), da sich hinter diesen Höhen starke Artilleriestellungen der Franzosen befanden, die das Hauptkampfgebiet auf dem östlichen Maasufer unter Dauerbeschuß nahmen. „Toter Mann“ konnte am 14. März teilweise erobert werden, jedoch wechselten die eroberten Abschnitte mehrmals den Besitzer, da die Franzosen nun mit größter Entschlossenheit kämpften und Gegenstöße durchführten.
Die Höhe 304 wurde von 80 deutschen Geschützen, teils schwerste Kaliber und Eisenbahngeschütze, sturmreif geschossen, konnte allerdings erst Anfang Mai eingenommen werden. „Toter Mann“ wurde Ende Mai vollständig erobert, allerdings unter gewaltigen Verlusten. 

Das Kampfgebiet um die Höhen 304 und Toter Mann

Die Karte des Kampfgebietes 
mit den Höhen 304 und “Toter Mann” auf dem westlichen Maasufer.
Die breite Linie zeigt die vorderste deutsche Frontlinie Ende Juni 1916 an.
 

Auf dem östlichen Ufer der Maas konnten die Deutschen ihre Stellungen um das Fort Douaumont ausbauen, benötigten allerdings bis zum Mai, um die französischen Stellungen im Cailettewald teilweise einzunehmen.
Die gesamte Gegend war inzwischen nicht mehr von Schützengräben durchzogen sondern bestand nur noch aus einem Trichterfeld. Bäume gab es keine mehr und auch die Toten konnte man nicht mehr beerdigen und ließ sie einfach liegen. Sie wurden von den Granaten noch viele Male “getötet”.
Die einzigen Tiere, die es noch gab, waren Ratten die immer fetter wurden.

Wenn es regnete, wurde die gesamte Gegend zu einem zähen Schlammfeld und es passierte nicht selten, das Soldaten in wassergefüllten Granattrichtern ertranken.
Schanzarbeiten und das Heranführen von Nachschub konnten nur noch Nachts durchgeführt werden, da der gesamte Bereich unter dauerndem Artilleriebeschuß lag. Es wurden hauptsächlich Spreng- und Schrapnellgranaten, aber auch Gasgranaten verschossen.

Vor dem Fort Vaux lagen die Deutschen ebenfalls fest, der Pfad, der benutzt wurde um die Stellungen zu erreichen, war von Toten bedeckt und erhielt den Namen „Todespfad“, da er von den französischen Geschützen eingesehen werden konnte. 

Am 8. Mai ereignete sich im Fort Douaumont, das von den Deutschen den Spitznamen “Sargdeckel” erhalten hatte, eine gewaltige Explosion, bei der in den Gängen aufgestapelte Hand- und Artilleriegranaten explodierten. Wahrscheinlich hatte sich Flammenwerferöl entzündet. Als daraufhin Soldaten mit rußgeschwärzten Gesichtern aus dem Fort drangen wurden diese für französische Kolonialtruppen gehalten und mit Handgranaten beworfen. Diese wiederum brachten weitere Handgranaten in den Gängen und französische 155 mm Granaten zur Explosion. 679 deutsche Soldaten kamen dabei ums Leben, das Fort jedoch hielt der Explosion stand.
Man schaffte die Toten in einen der Gänge und mauerten diesen zu. Noch heute kann die Stelle besichtigt werden, ein Kreuz und Kerzen erinnern an die Toten hinter der Mauer. Das Fort wurde nun seinem Spitznamen mehr als gerecht.

Ab dem 17. Mai versuchten die Franzosen, Fort Douaumont zurückzuerobern. Ein mörderischer Artilleriebeschuß setze ein, der das Dach des Forts und die gesamte Umgebung erbeben ließ. Die Deutschen hatten hohe Verluste und es blieb nur noch eine kleine Besatzung im Fort zurück. Als die ersten Franzosen in das Fort eindrangen, entwickelte sich ein erbarmungsloses Gefecht in den Gängen des Forts und auch auf dem Dach, wo die Gegner nur wenige Meter auseinander lagen. Aber es gelang den Deutschen, Verstärkungen heranzuführen und am 24. Mai ergaben sich nach dem Einsatz deutscher schwerer Minenwerfer die französischen Truppen im Fort und am Panzerturm Ost.
Es wurden mehr als 500 Gefangene gemacht.

Man führte weitere Verstärkungen an das Fort, die dieses am 25. Mai erreichten und sogleich mit einem Gegenangriff auf die französischen Gräben begannen. Sie konnten einen größeren Geländegewinn erzielen, erhielten jedoch wieder schwere Verluste.

Inzwischen erwägte der Oberbefehlshaber der 5. Armee, Kronprinz Wilhelm, die Offensive von Verdun einzustellen, wurde jedoch von Falkenhayn zurückgewiesen, der einen Prestigeverlust befürchtete. Es gab nun kein Zurück mehr und das Sterben ging unablässig weiter.

Am 1. Juni konnte der Cailettewald vollständig eingenommen werden und am 2. Juni begann die Artillerie, Fort Vaux unter Dauerfeuer zu nehmen. In den frühen Morgenstunden konnten deutsche Sturmtruppen bis auf das Dach des Forts und in einige Gänge vordringen. Es entwickelte sich, ähnlich wie im Fort Douaumont, ein heftiger Kampf im Inneren des Forts. Die französischen Festungstruppen kämpften gemäß ihrem Motto “Man läßt sich unter den Trümmern begraben, aber man ergibt sich nicht”. Es wurde in den Kasematten und Gängen des Forts mit Flammenwerfern und Handgranaten bis zur Erschöpfung beider Seiten gekämpft. Den Franzosen gingen langsam die Wasservorräte zuneige. Am Ende erhielten nur noch die Verwundeten ihre Wasserration von einem einzigen Becher pro Tag.
Am 7. Juni ergaben sich etwa 600 französische Soldaten, einige von Ihnen waren schon fast wahnsinnig vor Durst, sowie Commandant Raynal.
Der deutsche Kronprinz war von der Tapferkeit dieses französischen Offiziers so beeindruckt, das er ihn in seinem Hauptquartier empfing.

Inzwischen versuchten die Franzosen mehrfach, die Forts zurückzuerobern, scheiterten jedoch immer wieder an den deutschen Stellungen. Auf beiden Seiten stiegen die Verluste ins unzählbare. Am 23. Juni konnten die Deutschen nach einer starken Artillerievorbereitung mit Grünkreuz-Gasgranaten (Phosgen) einen großen Geländegewinn erzielen; mehrere Werke und Stellungen der Franzosen wurden genommen, jedoch waren die Truppen zu erschöpft, um die neuen Stellungen zu halten und mußten sich bis zum Dorf Fleury zurückziehen, um das ein fürchterlicher Kampf entbrannte. Das Dorf wechselte 4mal den Besitzer und existierte nicht einmal mehr in Form von Grundmauern. Es wurde komplett ausradiert.
Auch um das Werk Thiaumont entbrannte ein heftiger Kampf, es wechselte ebenfalls 4mal den Besitzer.

Die weit vorgezogenen Stellungen machten die Versorgung mit Nachschub schwierig, da dieser über viele Kilometer getragen werden mußte. Viele Essensträger und Meldegänger mußten ihr Leben lassen. Ganze Kompanien und Batallione wurden schon auf dem Weg in ihre Stellungen dezimiert.

Im Juli versuchten die Deutschen erneut, Ihre Stellungen zu erweitern und die französischen Gräben zu stürmen, scheiterten jedoch. Den ganzen Rest des Monats und den August verbrachte man mit erfolglosen Angriffen und Gegenangriffen, bei denen ganze Regimenter verheizt wurden. Anfang August wurde eine französische Gegenoffensive von den Deutschen gestoppt. Die Franzosen erhielten schwere Verluste.
Seit Ende Juli gingen die Deutschen langsam zur Defensive über und am 29. August trat General von Falkenhayn zurück; sein Nachfolger wurde Paul von Hindenburg, der die gesamte Verdun-Offensive sofort einstellen ließ.
Die Deutschen versuchten, zumindest die eroberten Stellungen zu halten.
Im September kam es bei den Franzosen im Tunnel von Tavannes ebenfalls zu einem schweren Explosionsunglück, bei dem über 500 Menschen starben.

Am 24. Oktober begannen die Franzosen nach starkem Artilleriebeschuß, der 5 Tage andauerte, mit einem Gegenangriff auf breiter Front. Die deutsche Front um Fleury wurde überrannt und die Franzosen drangen bis zum Fort Douaumont vor, konnten dieses jedoch nicht einnehmen.

Die Franzosen brachten nun ein neues 40 cm Eisenbahngeschütz in Stellung und beschossen das Fort mit großer Präzision. Es entstanden schwere Schäden und viele Soldaten kamen um. Unter anderem wurde der Sanitätsbereich getroffen. Nachdem ein Teil des Forts in Brand geriet und zu explodieren drohte, begannen die Deutschen mit der Evakuierung. Nur etwa 100 Mann blieben zurück, von denen 28 Überlebende schließlich kapitulierten.

Am 1. und 2. November wurde Fort Vaux von den Deutschen geräumt und zum Teil gesprengt. Am 15. Dezember griffen die Franzosen wieder an, stellten diese Offensive jedoch nach schweren Verlusten bald wieder ein.

Zum Jahresbeginn 1917 ebbte der Kampf um Verdun langsam ab. Beide Seiten waren zu erschöpft und dezimiert, um den Kampf weiterzuführen. Bis zum August 1917 wurden von beiden Seiten mehrere kleinere oder größere Aktionen unternommen, wobei sich besonders um die Höhe 304 ein erbarmungsloser Kampf entwickelte. Gegen Ende August wurden die Höhen „Toter Mann“ und 304 von den Deutschen verlassen. Bis Ende 1917 wechselten sich wieder Angriffe mit Gegenangriffen ab, die auf beiden Seiten erneut große Verluste forderten. Die „Knochenmühle“ und „Blutpumpe“ von Verdun stand noch lange nicht still. Das Jahr 1918 brachte endlich Ruhe in den Abschnitt Verdun, da sich die Gegner nun auf andere Frontabschnitte konzentrierten und am 11. November 1918 trat schließlich der Waffenstillstand in Kraft.
 

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