Erfahrungsbericht vom Unteroffizierlehrgang der Luftwaffe für Reservisten:

 

Allgemeines:

Art: Wehrübung

Datum: 26.07. - 20.08.1999

Unteroffizierschule der Luftwaffe, Appen

Ort/Einheit: Appen (bei Hamburg); Unteroffizierschule der Luftwaffe, “Marseille-Kaserne”, 3. Inspektion (mit Hörsaal 31 und 32).

Anzahl der Lehrgangsteilnehmer: 47 (alle bestanden!); 4 der 47 Teilnehmer waren noch aktive Soldaten; ca. 1/3 der Teilnehmer hatte die Ausbildung zum Reserveoffizier als Ziel.

Ablauf:

Vor Beginn des Lehrgangs wurden einige Teilnehmer bereits bei Ihren Mob-Truppenteilen eingekleidet und ausgerüstet bzw. ärztlich untersucht.

1. Lehrgangstag (Mo, 26.07.99): Anreise der Teilnehmer bis ca. 15:00 Uhr in Appen; Meldung beim Inspektionsfeldwebel und Ausfüllen der Personalbögen; Aushändigung der Truppenausweise und Erkennungsmarken; Einkleidung und Ausrüstung durch die StOV in Pinneberg; San-Befragung in der Inspektion; Abends Begrüßung durch den Inspektionschef und der Ausbilder/Hörsaalleiter in der UHG.

2. Lehrgangstag (Di): Wecken um 6:00 Uhr; Begrüßung durch den Lehrgruppenkommandeur (OTL); Einweisung durch den Rechnungsführer; Einweisung in den Ablauf des Lehrganges und die Prüfungsordnung durch die Fachlehrer und den Hörsaalleiter (“Innere Führung” war Sperrfach, mit einer Note schlechter als 4,49 war der Lehrgang NICHT bestanden; laut Prüfungsordnung der Luftwaffe sind für diese Note min. 65 % der Punkte zu erreichen !!; die zweite Prüfung findet in “Führung und Einsatz” statt, wobei die Gesamtnote beider Prüfungen ebenfalls nicht schlechter als 4,49 sein darf !!); Einweisung in die “Innere Führung”; Grundzüge der Inneren Führung und Menschenführung.

3. Lehrgangstag (Mi): Einführung in das Soldatengesetz (SG); Leitsätze der Inneren Führung; Informationen über die gesetzlichen Regelungen bei Wehrübungen und Laufbahnen für Reservisten durch den Rechnungsführer und den S1; Sportausbildung (12 min. Lauf).

4. Lehrgangstag (Do): Pflichten des Vorgesetzten laut Soldatengesetz; Politische Bildung mit dem Inspektionschef; Sportausbildung (Laufabzeichen des DLV nach Dienst mit Zusatzdienstplan).

5. Lehrgangstag (Fr): Vorgesetzten-Verordnung und Einweisung in “Führung und Einsatz”; Dienstschluß ca. 11:00 Uhr.

6. Lehrgangstag (Mo): Befehl und Gehorsam gemäß Soldatengesetz § 11, Sportausbildung (wahlweise Kraftraum, Laufen oder Ballspiele); Erlaß Erzieherische Maßnahmen.

7. Lehrgangstag (Di): Sportausbildung (wahlweise Kraftraum, Laufen oder Ballspiele); Vorgesetzter und Führungsverhalten; Grundlagen des Führungsvorganges; Abends Hörsaalabend in der UHG.

8. Lehrgangstag (Mi): Vorläufige Festnahme gem § 17 WDO; Humanitäres Völkerrecht.

9. Lehrgangstag (Do): Grundlagen des Wachdienstes; gesetzliche Grundlagen des Wachdienstes, der Vergatterung und der Übernahme des Wachdienstes; Durchspielen einiger “Wachlagen” im Kasernengelände; Einführung in die Computerunterstützte Ausbildung CUA mit interaktivem Lernprogramm; Zusatzdienstplan nach Dienst für Einweisung in das AGSHP (Ausbildungsgerät Simulator Handwaffen/Panzerabwehrwaffen) mit “Schießen” von Schulschieß- und Gefechtsübungen.

10. Lehrgangstag (Fr): Einsatzgrundsätze für Kategoriepersonal in Krise und Krieg; Einweisung ABC/Se; Einweisung/Ausbildung EOR/Kampfmittel-Jedermann-Erkundung.

11. Lehrgangstag (Mo): Team Vorgesetzter und Gruppe; Führungsgrundsätze; Einweisung in eine Lage; Nachmittags Gefechtsübung auf dem Standortübungsplatz mit Lagen (Bergung eines “abgeschossenen” Piloten) und Feinddarstellung.

12. Lehrgangstag (Di): Schriftliche Prüfung in “Führung und Einsatz”; Führungsstile; Sicherheitsbestimmungen für den Umgang mit Waffen; Einweisung Stationsausbildung; Nachmittags Stationsausbildung mit G3, P8 und MG im Kasernengelände.

13. Lehrgangstag (Mi): San-Ausbildung (Herz-Lungen-Wiederbelebung); Notfallmaßnahmen; Praktische Übungen im Kasernengelände (stabile Seitenlage, Tragearten, Schocklagerung usw.); Einweisung in die Hindernisbahn; Menschenführung unter Belastung auf der Hindernisbahn; Infomationen über den Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. durch den KreisOrg-Leiter Pinneberg; Sportausbildung (wahlweise Kraftraum, Laufen oder Ballspiele).

14. Lehrgangstag (Do): San-Ausbildung (Verbrennungen, usw...); Schutz von San-Personal gemäß Humanitärem Völkerrecht; Zusatzdienstplan nach Dienst für “Gefechtsschießen” im AGSHP.

15. Lehrgangstag (Fr): Schriftliche Prüfung “Innere Führung”; Sanitätsausbildung.

16. Lehrgangstag (Mo): Stationsausbildung G3, P8 und MG im Kasernengelände; Politische Bildung.

17. Lehrgangstag (Di): Schulschießen der P-S-1, P-S-2, MG-S-3, MG-S-4, G-S-3a-c mit G3, P8 und MG für die Schützenschnur auf der Standortschießanlage; 21:30 Uhr raustreten für Stationsausbildung bei Nacht im Kasernengelände: Wachausbildung mit Lagen und Feinddarstellung; “Gefechtsschießen” im AGSHP; ABC und EOR unter Gefechtsbedingungen und mit Lagen (Suchen von Kampfmitteln und “abgeschossenem” Piloten unter ABC-Schutz und Sichteinschränkung durch Nebelgranaten). 

18. Lehrgangstag (Mi): Fortsetzung der Nachtausbildung; Führen der Gruppe unter Belastung (ca. 40 h ohne Schlaf und wenig Nahrung); Morgens Stationsausbildung: ABC; San-Ausbildung; Waffendrill und Überquerung der Hindernisbahn mit Gepäck und Waffe im Gruppenrahmen, anschließend Marsch mit Gepäck und Waffe im Gruppenrahmen (ca. 25 km); Abends Waffenreinigen.

19. Lehrgangstag (Do): Fortsetzung Waffenreinigen und Abgabe der Waffen und Reinigungsset/Magazine/ABC beim Nachschub; Abends große Abschlußfeier in der UHG mit Auszeichnung der Hörsaal- und Lehrgangsbesten, Verleihung der Schützenschnüre, Überreichung von Urkunden und Beförderung der Lehrgangsteilnehmer zum Unteroffizier der Reserve durch den Lehrgruppenkommandeur.

20. Lehrgangstag (Fr): San-Befragung; Auskleidung; Rechnungsführer; Verabschiedung der Lehrgangsteilnehmer und Abreise.

Anmerkungen:

Der “Unteroffizierlehrgang der Luftwaffe für Reservisten” wurde hervorragend geplant und durchgeführt. Die Ausbilder/Fachlehrer waren sehr kompetent, menschlich und professionell. Der Lehrgang bestand zu ca. 85 % aus Theorie (“Innere Führung” und “Führung und Einsatz”); wenn nicht anders erwähnt fand der Unterricht im neuen Hörsaalgebäude (“Flieger”) statt.

An den Wochenenden war die Heimfahrt möglich. Dienstschluß war in der Regel 16:10 Uhr, Freitags um 11:00 Uhr. Nachtruhe begann 22:00 Uhr; kein Zapfenstreich ! Die Kameraden, die an den Wochenenden in der Kaserne verblieben, hatten vielfältige Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung, da Hamburg nur ca. 30 min. entfernt lag.

Die Kaserne Appen ist eine der schönsten Kasernen, die mir bekannt sind. Die Gebäude waren attraktiv und sauber, das Mannschaftsheim und die UHG hatten ein sehr vielfältiges und recht günstiges Angebot an Waren. Es gab einen Kraftraum, Sauna, Friseur, Freizeitbüro usw...

Es bestand an den Wochenenden die Möglichkeit, mit einer Dornier Do-28 der “Reservistenkameradschaft Flugdienst” herrliche Rundflüge über die Umgebung von Appen und Hamburg durchzuführen, was auch von zahlreichen Kameraden genutzt wurde.

Es wurden am Ende des Lehrganges alle (!) Teilnehmer (außer den 4 aktiven Kameraden) zum Unteroffizier d. R. befördert.