Bericht vom Jahresausflug in die Tschechische Republik 2002

Burgen, Flugzeuge und Relikte                                              Bilder der Fahrt...

Reservistenkameradschaft Wetterau auf Erlebnistour in Tschechien

Zum 3. Mal war Tschechien das Ziel der großen Jahresfahrt der RK Wetterau, wie immer mit neuem Programm und perfekt bis ins Detail vorbereitet von Milan Blum und Uwe Szerátor. Mit dem Beginn der Fahrt meldete sich auch das strahlende Wetter, das 4 Tage lang wunschgemäß anhalten sollte.

Nach einem unerwarteten, schikanösen 2 ½ stündigen Aufenthalt, hervorgerufen durch tschechische Grenzbeamte, die bis zu ihrem Eintritt nach Europa noch großen Lernnachholbedarf haben, wurde am Nachmittag Königgrätz erreicht. Im Gruppenwechsel wurde als erster Programmpunkt das alte Wasserkraftwerk an der Elbe besichtigt, das wie zu seinem Erbauungsjahr 1912 mit den alten Turbinen bis heute einwandfrei läuft und Strom erzeugt. Ein wirkliches Gegenstück dazu war der Besuch der in der Nähe liegenden orthodoxen Miniholzkirche, die von tschechischen Soldaten nach dem 1. Weltkrieg aus der Karpato-Ukraine „mitgebracht“ und hier wieder errichtet wurde. Vater Jares, der Oberhirte der Königgrätzer Orthodoxen, stellte persönlich das überraschend reichliche Innenleben des Kirchleins vor und ließ es sich nicht nehmen, einige Lieder vorzusingen. Am Ende des ersten anstrengenden Tages stand ein ausgedehntes langes Abendessen im „Schwarzen Pferd“, eine typische böhmische Gaststätte mit hervorragendem Schankbier.

Der 2. Tag begann mit einem absoluten Höhepunkt. Der RK Wetterau war es gelungen, einen Führungsbesuch für Privatpersonen in der bis vor wenigen Jahren noch der strengen Geheimhaltung unterworfenen Flugzeugfabrik Aero Vodochody zu erhalten. Von 2 Ingenieuren und einer Dame eingewiesen und geführt, wurde den Reservisten in aller Ausführlichkeit und Offenheit die Produktion der Sikorsky-Hubschrauber, der Zivilflugzeuge und des leichten Kampfbombers L 159 vorgestellt. Unter Beachtung der Betriebssicherheit durfte überall an die einzelnen Fertigungstakte hingegangen werden, alle Fragen wurden umfassend beantwortet. Der Knaller kam jedoch am Schluss. Den Wetterauern wurde auf dem Flugfeld der Erststart einer freigegebenen L 159 vorgeführt, die noch ohne Farbe, nur mit Grundierung versehen, sich zum ersten Mal in ihr neues Element aufschwang. Der Pilot zog eine Schau ab, dass den Zuschauern beinahe Sehen und besonders Hören verging. Ein einmaliges Erlebnis!

Der zur freien Verfügung stehende Nachmittag und Abend in Prag wurde zu den unterschiedlichsten Aktivitäten genutzt. Nach Ausstellungsbesuchen bis hin zum unvermeidlichen Shopping traf man sich zur Weiterfahrt nach Chlumec um dort die Nacht zu verbringen, die bei einigen sich allerdings schlaflos bis zum Morgen hinzog.

Der 3. Tag führt zuerst auf das Schlachtfeld von 1866 bei Königgrätz. Nach einer Darstellung der Vorgeschichte führte Uwe Szerator die Gruppe auf den 50 m hohen Fernmelde- und Aussichtsturm bei Chlum, von wo sich ein fantastischer Überblick über das gesamte Gelände darbot. Somit war eine präzise Einweisung in die verschiedenen Phasen der Schlacht möglich, die mit einer solch katastrophalen Niederlage Österreichs endete und Preußen als deutsche Großmacht etablierte.

Danach folgte die Fahrt zum entferntesten Punkt der Reise nach Grulich am Rande des Adlergebirges, allerdings nicht ohne vorher einen kurzen Zwischenhalt in Trebechovice einzulegen, um die größte, mechanisch betriebene Holzkrippendarstellung der Welt anzusehen. Das Kunstwerk, das in einer Darstellungsmischung sowohl Bethlehem wie auch das böhmische Stadtleben im 19. Jahrhundert beinhaltet und an dem 2 Männer mehrere Jahrzehnte arbeiteten, wurde erklärt und zur Ansicht in Bewegung gesetzt. In einem Nebenraum konnten noch weitere mechanische Schnitzwerke aus dem böhmischen Raum bewundert werden.

In Grulich wurden die Reservisten und ihre Damen schon von der Besatzung des Militärmuseums erwartet. Zur Stärkung gab es erst einmal einen reichlichen Schlag Gulaschsuppe aus einer qualmenden, originalen Gulaschkanone der tschechischen Armee. Im Anschluss bei der offiziellen Begrüßungszeremonie überraschten die deutschen Besucher ihre tschechischen Freunde gehörig. Hatten sie doch dem im Aufbau befindlichen Militärmuseum ein reichhaltiges Sortiment der verschiedensten militärischen Ausrüstungsgegenstände mitgebracht. In der Ausstellungshalle wurde als nächstes unter großem Hallo ein Feldgeschütz, zu dessen Erwerb Edith Szerátor den ersten Anstoß gegeben hatte, auf den Namen EDITH getauft.

Während nun der Großteil der Damen einen Besuch im nahegelegenen Kloster „Mutter Gottes Berg“ machten, widmeten sich die Herren ihrem militärischen Hintergrund. Geländefahrten mit dem Nachkriegsbau eines deutschen Halbkettenfahrzeuges und des sowjetischen Kampfpanzers T 54/55 eröffneten den militärhistorischen Teil. An der Befestigungsanlage BERGHÖHE, die von den Deutschen als Testobjekt benutzt wurde, sahen die meisten Wetterauer zum ersten Mal die sagenumwobenen Röchling-Granaten, noch im Beton stecken, bzw. die von ihnen hervorgerufenen Durchschüsse und Beschädigungen. Die abschließende Besichtigung des Infanteriebunkers ZIEGELEI, der als einziger voll ausgerüstet, ebenfalls für Artillerieversuche herhalten musste, schloss das Nachmittagsprogramm.

Beim großen Abendessen im Hotel Beseda, zu dem die Führungsriege des Militärmuseums mit eingeladen war, genoss man dann die hervorragenden Spezialitäten der Gegend und feierte bis tief in die Nacht.

Der Rückreisetag beinhaltete noch einen Mittagsstop bei der Burg Karlstein, dem Sitz von Kaiser Karl IV. Nach einer Führung durch den Kaiserpalast konnte schließlich die letzte Heimatetappe in Angriff genommen werden, die, bis auf den nun eigentlich nicht schon wieder erwarteten Schikaneaufenthalt an der Grenze, problemlos die Teilnehmer nach Mitternacht im eigenen Beritt ablieferte.

Alle Beteiligten waren sich unisono einig, dass diese Fahrt wieder ein absolutes Highlight in den Aktivitäten der Reservistenkameradschaft Wetterau war. Entsprechend herzlich fiel auch der Dank an die beiden Organisatoren der Fahrt aus. Wohl dem, der einen Nachbarstaatenexperten wie das RK-Mitglied Milan Blum hat!